Wenn Vision auf Präzision trifft
Die Vision
Der Morgen beginnt für Lutz Scheffer immer mit einem Kaffee – und einer Skizze. Er kann einfach nicht anders. „Ich muss erstmal was zeichnen“, sagt er. „Und daraus ergeben sich manchmal einfach Ideen.“ Für jemanden, der Fahrräder nicht nur entwirft, sondern neu denkt, ist das Zeichnen ein elementarer Prozess des Suchens. Es ist der Moment, in dem sein Gefühl und seine Erfahrung sich einen Weg suchen, festgehalten zu werden. Oft ist dieser Augenblick der Anfang einer Idee, die irgendwann einmal fahren wird.
Lutz ist bei ROTWILD verantwortlich für Konzept und Design – das bedeutet bei ihm nicht: Form und Farbe, sondern Ingenieurskunst und Philosophie. Für ihn beginnt die Entwicklung eines Bikes dort, wo Zahlen und Daten noch keine Rolle spielen: im Bauch, im Körper, auf dem Trail. „Man kann kein Fahrrad gut konstruieren, wenn man nicht selber ambitioniert Fahrrad fährt. Man muss es spüren.“ Wer nicht weiß, wie sich eine schlechte Kinematik auf dem Trail anfühlt, wird kein Bike entwickeln, dem man vertrauen kann. Wer nie ans Limit geht, wird das ganze Konzept nicht konsequent genug denken.
Hört man den Namen ROTWILD, so ist das allerdings nicht nur Ingenieurskunst und Design, sondern auch die Freiheit, unterwegs zu sein – in der Natur, den Bergen, mit Matsch auf der Wade und Staub auf der Brille. Und genau darum geht es: ein Gefühl. Das R.EX ist ein Werkzeug für genau diese Erlebnisse – und kein Produkt, das in Excel entsteht. Es ist ein Bike, das Geschwindigkeit lebt, Vertrauen verbreitet, selbstbewusst, leistungsstark. Eben all das, was ein richtig gutes Bike ausmacht. Lutz bringt es auf den Punkt: „Mein Antrieb ist, etwas zu konstruieren, wo man besser bergauf, besser bergab fährt. Sicherer. Souveräner.“
Mit dem R.EX haben wir uns ein hohes Ziel gesetzt. Es sollte ein E-MTB werden, das keine Kompromisse kennt – nicht bergauf, nicht bergab. Ein Bike, das auf Hometrails brilliert und in Hochgebirgen an seine Grenzen geht, ohne den Fahrer zu überfordern. Und ein Bike, das den Anspruch unserer Marke auf den Punkt bringt: Engineering als Haltung, nicht als Showelement. Vision als Grundlage – nicht als PR-Vokabel. Und alles, was das Bike leistet, beginnt im Kopf – oder eben auf dem Papier, morgens, beim Kaffee, mit einem Stift in der Hand.
„Fortschritt und Innovation kann man nur als Ganzes denken“, sagt Lutz. „Das ist eine Gesamtkomposition.“ Für das R.EX bedeutet das: Rahmen, Akku, Motor, Fahrwerk – alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Nicht modular kombiniert, sondern als Einheit gedacht. Die selbst entwickelte IPU, die Integrierte Power Unit, ist nicht einfach nur ein Akku, sondern von Anfang an Teil eines abgestimmten Konzepts.
Diese Vision setzt sich bei Rahmendesign und Kinematik fort. Lutz nennt es „Mid-High-Pivot-System“, eine radikale Neuerung in der Hinterbaukonstruktion. Dieses System verschiebt den Hauptdrehpunkt des Hinterbaus an eine ungewöhnliche, neue Position. „Die Kinematik arbeitet bergauf und bergab unglaublich effizient. Unter Kettenzug, unter Wiegetritt, unter Querbelastungen ist sie unglaublich steif. Aber bei Schlägen, die von der Seite kommen – etwa durch einen wegrutschenden Stein – kann sie torsional flexen. Das bedeutet Grip.“ Und das bringt letztendlich Vertrauen.
Und das ist keine Theorie. Es ist das Ergebnis von Testfahrten, Diskussionen, Fehlschlägen, Neubeginnen. Es ist das Ergebnis eines Prozesses, der nicht linear ist – sondern lebendig.
Precision = Präzision
Bei ROTWILD hört die Konstruktion nicht bei der Entwicklung auf. Sie beginnt dort erst richtig. Lorenz Mack, Technical Product Engineer und der Mann fürs Feintuning, bringt es auf den Punkt: „Es ist nicht so, als ob dich der Blitz trifft und du baust morgen ein anderes Fahrad. Das ist eine konstante Weiterentwicklung in vielen Bereichen.“
Für Lorenz ist das R.EX das Ergebnis von Jahren der Erfahrung – und gleichzeitig eine Plattform für zukünftige Ideen. Die Geometrie wurde entwickelt, um mehr Laufruhe zu schaffen – ohne an Handling und Verspieltheit zu verlieren. Das Mullet-Setup – großes Laufrad vorn, kleines hinten – macht das Bike wendiger, ohne es nervös wirken zu lassen. Der Sitzwinkel wurde steiler, der Stack höher. Das Acros Mod System erlaubt die Feinjustierung von Lenkwinkel und Reach – für Biker, die genau wissen, was sie wollen.
All diese Entscheidungen wurden nicht aus dem Bauch getroffen, aber sie fühlen sich trotzdem intuitiv an. Weil sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren: den Flow. Das Gefühl, dass sich ein Trail nicht bezwingen lässt, sondern gelesen werden muss. Dass ein Bike nicht bockig reagiert, sondern mitdenkt. „Der Hinterbau ist super sensibel“, sagt Lorenz. „Und durch die Geometrie nimmt das Rad Richtungswechsel einfach besser an.“
Mit dem DJI Avinox haben wir uns antriebstechnisch für ein echtes Kraftpaket entschieden. Doch der Motor ist nicht nur leistungsstark, sondern auch intelligent. „Die Software gibt einem die Möglichkeit, dieses ganze Paket maximal auf sich abzustimmen“, sagt Lorenz. Der Akku wurde leichter – bei gleichzeitiger Erhöhung der Wattstunden. Und mit dem Push+ System lässt er sich jetzt seitlich entnehmen. Klingt nach Komfort – ist es auch. Aber vor allem ist es durchdacht. So wie alles an diesem Bike.
Denn auch im Detail geht ROTWILD konsequent diesen Weg. Das Sram-Transmission-Schaltwerk kommuniziert direkt mit dem Motor, was eine neue Qualität beim Schaltverhalten ermöglicht. Die Eightpins-Stütze ist jetzt voll integriert – das sieht nicht nur besser aus, sondern verbessert auch Funktion und Haltbarkeit. Neue Zugeingänge erleichtern die Montage und machen den Rahmen leiser. Und selbst bei der Dämpferanbindung wurde weiter-entwickelt: Gleitbuchse statt klassischer Anbindung – für einfacheren Einbau und mehr Präzision.
Was all das in Summe bedeutet? Ein Bike, das funktioniert. Nicht nur auf dem Papier, sondern auf dem Trail. Für Lorenz ist das R.EX mehr als ein Projekt: „Für mich ist es wirklich das, was ich täglich am liebsten fahre. Es ist die klassische Allzweckwaffe.“
Und genau das war das Ziel. Ein Bike, das ambitionierte Biker perfekt bedient. Das inspiriert, ohne zu dominieren. Das technisch hochgerüstet ist – aber nie kompliziert wirkt.
Am Ende ist das R.EX vor allem eines: Ausdruck unserer Haltung zum Thema Enduro. Einer Haltung, die sagt: Wir bleiben nicht stehen. Wir gehen weiter. Wir zeichnen, wir denken, wir entwickeln. Jeden Tag. Mit Kaffee. Mit Stift. Und mit dem festen Glauben, dass ein wirklich gutes Bike nicht einfach nur gebaut, sondern zuerst gedacht werden muss. Dass es eine klare Vision braucht – und die Präzision, sie Wirklichkeit werden zu lassen. Nur wenn beides zusammenkommt, entsteht etwas, das mehr ist als Technik. Etwas, das bewegt. Oder wie Lutz sagt: „Wir bleiben nie – never ever – stehen.“