ROTWILD Insights: Björn Zedlick
Ansprechendes Design spielt seit jeher in der ROTWILD DNA eine wichtige Rolle. Entsprechend hoch sind unsere Ansprüche an dessen Umsetzung. Dass verschiedene Bikedesigns in den vergangenen Jahren mit Designpreisen ausgezeichnet wurden, ist nicht nur für den Gestalter eine schöne Bestätigung. Es zeigt auch, dass unsere Produkt-Philosophie außerhalb der Bikebranche für Furore sorgt. Grund genug, den Designprozess einmal näher unter die Lupe zu nehmen.
Welche Qualifikation/Ausbildung hast du?
Ich habe Industrie Design an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel studiert und mich schon vorher viel mit Fotografie und Grafik beschäftigt. Nach meinem Diplom war ich zwei Jahre bei BMW in München angestellt und habe mich danach selbstständig gemacht. Als Student wollte ich möglichst schnell fertig werden mit meiner Ausbildung, jetzt genieße ich die Tatsache, nie alles lernen und kontrollieren zu können, immer mehr. Das Infragestellen, die Unsicherheit und das Dazulernen hält die Arbeit spannend und den Geist frisch.
Hast du dich dabei auf das Produktdesign spezialisiert oder arbeitest du als Gestalter auch in anderen Bereichen des Designs?
Wirklich gute Gestaltung geht meiner Meinung nach Hand in Hand durch die Disziplinen. Ich sehe das eher ganzheitlich und habe darum Respekt vor allen Bereichen des Prozesses. Früher war ich mit guten Skizzen und Renderings zufrieden, um meinen Beitrag als gelungen abzuspeichern. Heute sehe ich den gesamten Ablauf und ordne meine Arbeit dementsprechend ein. Mit dem Respekt kommt auch das Interesse für die anderen Bereiche. Einige meiner Kunden unterstütze ich somit auch in den Bereichen Fotografie, Kataloggestaltung, Webdesign, Texte und mehr. Im Idealfall bin ich schon zu Beginn in die Entwicklung involviert, sodass Design keine Hülle darstellt, sondern Teil des Produktes wird. Ein solcher inklusiver Prozess sagt mir mehr zu, als einem Ding kurz meinen Stil aufzudrücken und mich dann wieder abzuwenden.
Seit wann arbeitest für ROTWILD und wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen?
Ich glaube, das war 2014. Ein guter Freund aus BMW Zeiten, der für Porsche Design mit ROTWILD zusammengearbeitet hat, holte mich damals für die Produktgrafik ins Boot. Das waren die ersten E-MTB Prototypen. Seitdem ruft mich Peter immer an, wenn neue Bikes auf dem Plan stehen.
Was verbindest du als Designer mit der Marke ROTWILD? Gibt es etwas, das dich daran besonders fasziniert?
Mich fasziniert, dass ich der Marke glaube. Mein Gefühl war von Anfang an bestimmt vom Eindruck, dass hier Mädels und Jungs am Werk sind, die extrem Bock auf verdammt gute Fahrräder haben. Aus dem Bedarf ist die Marke gewachsen, nicht aus einer Marke ein Bedarf. Ich denke, das zeichnet die Faszination für alle guten Marken aus, man nimmt ihnen das Warum ab, ohne langen Marketingtext.
Welche Intention verbindest du mit einem neuen Design und wofür steht es?
Kurz gesagt ist mein Anspruch, mit weniger etwas Besseres zu erreichen. Meine Intention ist nicht, dass jemand ein neues Bike sieht und das Design feiert. Ich will, dass man das Bike feiert und die erforderlichen gestalterischen Schritte dahin im Hintergrund ihre Wirkung verrichten.
Wie ist deine Herangehensweise, wenn ein neues Produktdesign ansteht? Was inspiriert dich dabei, wie beginnt der Prozess?
Zu Beginn hole ich mir möglichst viel Input von Peter und dem Team: Welches Ziel verfolgt das neue Fahrrad? Wen soll es ansprechen? Wovon soll es sich gegebenenfalls abgrenzen? Als wir das R.375 gestaltet haben, war die Prämisse ganz klar, ein sehnigeres Fahrrad darzustellen, im Vergleich zum gewaltigen R.750. Das Konzept des leichten kantigeren Athleten sollte in der Produktgrafik kommuniziert werden. Jetzt, wo das neue G.375erscheint, galt es hingegen das Rad in die vorhandene R.375 Sprache zu integrieren und vor allem über die Farbe zu differenzieren. Manchmal steht am Beginn des Prozesses aber auch eine neue Inspiration oder Idee die dann an das Modell angepasst wird. Solche Inspirationen treten vollkommen unvorhersehbar auf. Klar sind Medien wie Instagram oder Blogs förderlich, aber genau so oft zündet ein Funke beim Schlendern durch Stadt oder Land. Dieser Teil des kreativen Gehirns ist nie ganz aus, das ist Fluch und Segen zugleich. Man muss sich dann im entscheidenden Moment die Zeit nehmen, darauf einzugehen, und manchmal auch den Mitmenschen erklären, warum die kurze Unterbrechung gerade unabdingbar ist (lacht).
Wie lange dauert die Fertigstellung eines neuen Bike-Designs?
Das Produkt Design dauert definitiv länger, da hier viel mehr Parameter mit im Spiel sind. Bei ROTWILD bin ich bisher weniger in die Gestaltung von Geometrie und Oberflächen involviert, sondern maßgeblich in die Produktgrafik. Mein Ansatz wäre langfristig beide mehr zu vereinen, weniger Lackierung und Prints und stattdessen das Bike an sich sprechen zu lassen. Die Idee für ein neues Design kann sehr schnell gehen, manchmal nur Minuten dauern, der spannende Teil ist dann die Umsetzung, um in der Realität möglichst nah an die ursprüngliche Vision heranzukommen. Das kann Wochen dauern und wenn es wirklich gut gemacht ist erscheint es am Ende so logisch, dass man den langen Prozess gar nicht mehr nachvollziehen kann.
Welche Herausforderungen gibt es dabei?
Die Umsetzung in Serie. Oftmals sind gerade raffiniert simpel erscheinende Designs in der Serienproduktion schwer zu realisieren und müssen dann entsprechend angepasst werden. Im besten Fall gelingt es einem als Gestalter dem Produkt kein Thema aufzuzwingen, sondern aus dem Produkt heraus ein logisches Thema erwachsen zu lassen, dass dann in sich – und für die Marke – Glaubwürdigkeit ausstrahlt.
Gibt es Kernelemente im Design, die ein unbedingtes „must have“ sind? Dinge, die sich wie ein roter Faden durchziehen?
Wiederholung. Wenn sich Elemente wiederholen, oder zumindest miteinander indirekt eine Verbindung eingehen, dann wirken sie ästhetischer, als ein ungeordneter Haufen gestalterischer Einzelteile. Zumindest ist das mein Erklärungsversuch (lacht). Im Zweifel hat die Natur immer die besten Lösungen, man muss nur genau hinsehen.
Thema Farbgebung: Nach welchen Kriterien werden die Farben für die jeweiligen Modelle bestimmt?
Das ist tatsächlich von Rad zu Rad unterschiedlich. Manche Modelle erhalten ein ROTWILD Rot, um sie klar zuzuordnen. Allerdings greifen wir seit einiger Zeit vermehrt zu Variationen wie Neon- oder Metallic-Tönen. Andere Modelle, meistens die, die eine Variante eines bereits eingeführten Designs darstellen, zeichnen sich durch mehr Vielfalt aus. Wir werden da gerade mutiger und stellen fest, dass die ROTWILD Kunden durchaus für differenziertere Farbwelten als nur rot oder schwarz bereit sind.
Auf den R.375er Modellen gibt es mit den „Bubbles“ ein ganz neues Designelement. Was hat es damit auf sich?
Ursprünglich war mein Design für dieses Rad geprägt von einem Verlauf der lackierten Farbe in das schwarz des Carbonrahmens. Die Umsetzung stellte aber in der Produktion eine zu große Herausforderung dar. Also suchten wir nach alternativen Anmutungen und sind letztlich bei diesem Punkteraster angelangt. Der finale Entwurf ist das Ergebnis von Teamwork, Brainstorming und Machbarkeit.
In welche Richtung wird sich das ROTWILD Design weiterentwickeln?
Weniger, aber besser. Ich liebe dieses Motto von Dieter Rams. Wenn es uns gelingt, mit weniger grafischer Lautstärke ein Fahrrad hinzustellen, das genau so dynamisch, agil, kraftvoll und elegant überzeugt wie seine Vorfahren, dann sind wir bereit für die nächste Generation.