17. Juni 2026

Rennbericht Les Arcs 2026

Letztes Wochenende kam das Team nach einer längeren Rennpause beim Velo Vert Festival in Bourg-Saint-Maurice wieder zusammen. Das Festival ist 2026 neu in die Haute-Tarentaise umgezogen, in die Berge hinter dem Mont Blanc. Eine bessere Kulisse gibt es kaum. Die Vorfreude war riesig, auch weil wir uns alle endlich wiedersahen.

Freitag - das E-Enduro-Rennen

Den Auftakt machte am Freitag das E-Enduro-Rennen des Festivals. Sechs richtig gute Bergab-Stages, genau unser Terrain. Bei den Männern ging es eng zwischen Théo und Kelan zu. Am Ende setzte sich Théo mit zwei Sekunden Vorsprung durch und holte den Sieg vor seinem Teamkollegen. Helen gewann die Frauenwertung vor Flo Espiñeira. Ein Doppelsieg, besser konnte das Wochenende nicht beginnen.

Samstag - die Bosch Challenge

Am Samstag stand das Hauptevent an. Auch für die mittlerweile etablierte Bosch E-MTB Challenge war es ein neues Event in Frankreich. Die Organisation war wie immer gelungen, das Rennen gut ins Festival integriert. Über den frühen Start waren wir froh. Anders als beim Weltcup in Leogang spielte das Wetter perfekt mit, und so entkamen wir der Mittagshitze. In der Pro-Kategorie warteten sieben Stages und knapp 1700 Höhenmeter zum Pedalieren. Den Akku durfte man nur wechseln, wenn man ihn selbst im Rucksack trug. Die meisten Fahrer setzten daher auf eine Batterie und gutes Akkumanagement.

Am Start waren alle hochmotiviert, ein langer Tag stand uns bevor. Credits: Christoph Bayer (Bosch)

Erste Rennhälfte

Nach einem kurzen Transfer ging es in die ersten beiden Stages. Erst eine Up-and-Down-Stage, dann eine reine Uphill-Stage. Nach der knappen Anfahrt ein Schock fürs System. Kelans Bike schaltete sich direkt vor dem Start von Stage 1 ab, da wurde es für ihn nochmal hektisch. Er löste das Problem schnell, und alle drei kamen sauber durch die ersten beiden Prüfungen. Eines war da bereits klar: Es würde ein langer und vor allem tretlastiger Tag in Bourg-Saint-Maurice.

Zwischenstand Frauen nach Stage 2: 1. Anna Spielmann: 3:26.65 - 2. Florencia Espiñeira: +0:04.36 - 3. Laura Charles: +0:07.57 - 4. Helen Weber: +0:10.55 - 5. Jana Urban: +0:18.95

Zwischenstand Männer nach Stage 2: 1. Jérôme Gilloux: 3:14.27 - 2. Kenny Muller: +0:03.41 - 3. Lukas Dennda: +0:08.63 - 4. Théo Ruhlmann: +0:09.78 - 5. Guillaume Heinrich: +0:12.33

Kelan lag nach dem Startschreck noch auf Rang acht. Über den Tag arbeitete er sich aber bis auf Platz vier nach vorne.

Endlich folgte die erste Bergab-Stage. Schön zu fahren, aber stark ausgesetzt und bei hohem Tempo entsprechend gefährlich. Ein Thema, das sich durch den ganzen Tag ziehen sollte. Stage 3 war ein alpiner Wanderweg mit vielen Switchbacks und hoher Durchschnittsgeschwindigkeit. Hier schlug das Team zu. Théo fuhr bei den Männern Bestzeit in 3:36.23, Helen holte bei den Frauen mit 4:00.02 ebenfalls den Stage-Sieg.

Switchbacks am Hang: Auf Stage 3 fuhren Théo und Helen beide die schnellste Zeit ihrer Klasse. Credits: Christoph Bayer (Bosch)

Zweite Rennhälfte

Stage 4 ging wieder rauf und runter, inklusive einer No-Feet-Zone. Wer hier den Fuß vom Pedal nahm, kassierte fünf Sekunden Strafe. Auch diese Prüfung traversierte lange durch exponiertes Gelände. Auf Race-Pace alles andere als ungefährlich.

Stage 5 war eine reine Downhill-Stage, schnell und gespickt mit guten Kurven. Hier war Kelan nicht zu schlagen. Mit 3:18.46 fuhr er die Tagesbestzeit aller Profis.

Kelan in seinem Element. Auf der reinen Downhill-Stage 5 setzte er die schnellste Zeit aller Profis. Credits: Christoph Bayer (Bosch)

Mit Stage 6 kam die Pro-Stage, vermutlich die längste Power-Stage der Saison. 185 Höhenmeter bergauf, dazu eine No-Feet-Zone und reichlich technische Kurven. Auf dieser langen Kletterei zählte vor allem die reine Tretleistung. Entsprechend verloren wir hier nach vorne die meiste Zeit. Die schnellsten Zeiten fuhren Jérôme Gilloux und Anna Spielmann, die am Ende auch die Gesamtwertung gewannen. Über das Streckenlayout dieser Stage kann man streiten.

Theo auf der knapp 200hm langen Uphill Stage. Hier war ein gutes Pacing essenziell um unten nicht schon alle Körner zu verschießen. Credits: Christoph Bayer (Bosch)

Stage 7 mischte gute Downhill-Passagen mit einem längeren Bergab-Stück und einer weiteren No-Feet-Zone. Ein versöhnlicher Abschluss eines langen Renntags.

Die Ergebnisse

Bei den Männern wurde es an der Spitze richtig eng. Théo und Kenny Muller trennten am Ende 0,71 Sekunden. Théo behielt mit 22:46.21 die Nase vorn und sicherte sich Platz 2. Der Sieg ging an Jérôme Gilloux. Seinen Vorsprung holte er vor allem auf den Bergauf-Stages und der Pro-Stage, allein dort nahm er Théo über 14 Sekunden ab. Kelan rundete den Tag mit Rang 4 in 23:26.19 und seinem Stage-Sieg ab.

Bei den Frauen fuhr Helen auf das Podium. Als Dritte fehlten ihr nur 7,76 Sekunden auf Florencia Espiñeira. Wie bei Théo kostete die Pro-Stage den größten Brocken. Den Sieg sicherte sich Anna Spielmann.

Theo auf Platz zwei hinter Gerome Gilloux (E-XC Weltmeister) und vor Kenny Muller. Damit führt er die Gesamtwertung der E-MTB Challenge.
Helen wurde am ende starke dritte hinter Flo Espinera und Anna Spielmann

Endergebnis Frauen: 1. Anna Spielmann: 24:32.57 - 2. Florencia Espiñeira: +0:24.97 - 3. Helen Weber: +0:32.73 - 4. Laura Charles: +1:25.81 - 5. Jana Urban: +2:51.73

Endergebnis Männer: 1. Jérôme Gilloux: 22:21.25 - 2. Théo Ruhlmann: +0:24.96 - 3. Kenny Muller: +0:25.67 - 4. Kelan Grant: +1:04.94 - 5. Guillaume Heinrich: +1:15.27

Feedback Bosch E-MTB Challenge

Mittlerweile haben wir je drei Runden der European E-MTB Tour und der Bosch E-MTB Challenge bestritten. Zeit für eine ehrliche Einschätzung. Die beiden Serien setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Die European Tour kommt dem klassischen E-Enduro am nächsten. Die Bosch Challenge ist breiter aufgestellt, spricht bewusst auch Einsteiger an und setzt stärker auf Uphills. An diesem Wochenende fiel die Entscheidung allerdings zu stark über das Körpergewicht. Das ist keine Ausrede, sondern einfache Physik. Auf langen, wenig technischen Anstiegen bringt jedes Kilo weniger einen Vorteil, den das Fahrkönnen kaum aufholen kann. Am meisten Spaß macht uns Racing, wenn die Entscheidung über die fahrerischen Fähigkeiten fällt. Genau hier liegt der Reiz technischer Uphills. Entsteht der Anspruch über die Geschwindigkeit durch technische Sektionen, zählen saubere Linien und gutes Bike-Handling statt reiner Kletterleistung.


Die Laune am Ende war sehr gut! Schön das mit Erik Emmrich und Jana Urban noch weitere deutsche Fahrer den Weg nach Frankreich gefunden haben.

Fazit

Die Strecken waren die besten, die wir bisher bei einer Bosch Challenge gefahren sind. Schnell und abwechslungsreich, mit Bergab-Passagen, die richtig Spaß machten. Bergauflastig blieb das Wochenende trotzdem, auf den glatten Uphills zählte mehr die Tretleistung als das Fahrkönnen. Mitgenommen haben wir aber jede Menge: am Freitag den E-Enduro-Doppelsieg, am Samstag drei Stage-Bestzeiten und zwei Podestplätze bei der Challenge.

Ausblick

Als Nächstes steht für das ganze Team die European Tour in Méribel an. Danach trennen sich die Wege. Théo startet in Davos, wir berichten von dort. Kelan nimmt die E-Megavalanche in Angriff. Helen fährt die EDR Val di Fassa und La Thuile.

Mehr Eindrücke vom Renntag gibt es im Vlog des ROTWILD-Schwalbe-Gravity-Teams.