Rennbericht European E-MTB Tour #1 Nova Gorica
Den Start ins Rennwochenende markierte der Freitag. Wir bauten in der Eventarea unsere Pits auf und trafen uns mit Seb Schieck für erste Bilder von Team und Bikes. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, unser 2026 Race-Bike mit diversen silbernen Parts auszustatten - und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Um 19:00 Uhr stand dann der obligatorische Bike Check an. Dabei werden Hardware- und Firmwarestand kontrolliert sowie der Laufradumfang inklusive Reifen gemessen, der die Maximalgeschwindigkeit bestimmt. Alles lag im grünen Bereich. Einem guten Rennen stand nichts mehr im Weg.
Samstag: Training + Power Stage Race
Der Samstag teilte sich in zwei Teile auf. Am Vormittag wurden die sechs Downhill Stages trainiert. Am Spätnachmittag folgten das Training der beiden Powerstages und direkt im Anschluss die Rennen. Durch die Nähe der Powerstages zum Eventgelände und zur Stadt kamen bereits beim Training sehr viele Zuschauer. Die Stimmung war hervorragend - hier könnten sich ESO und Warner Brothers durchaus eine Scheibe abschneiden.
Beide Powerstages starteten in einem Kletterwald, hatten jedoch einen sehr unterschiedlichen Charakter und prüften damit alle wichtigen Fähigkeiten der Athleten. Den Trailbauern gelang es, die Kurse so anzulegen, dass alle Fahrer sie absolvieren konnten. Sie schnell zu durchfahren war jedoch eine andere Sache. Zwischen Training und Rennlauf lagen jeweils nur rund 25 Minuten - entsprechend wenig Zeit, um sich alle Stellen einzuprägen.
Powerstage 1
Gestartet wurde mit der steileren der beiden Stages. Die Strecke schraubte sich über enge Kurven und steile Sektionen den Hang hinauf. Am höchsten Punkt ging es im Kreis über mehrere Features: eine steile S-Kombination sowie einen kleinen und einen großen Drop. Hier kochte die Stimmung, angeheizt von den Zuschauern und einem DJ. Danach folgten weitere Kurvenkombinationen bis ins Ziel. Mit einer Laufzeit von über einer Minute definitiv eine der längeren Stages des Wochenendes. Théo, der amtierende "King of Powerstage" - ein Titel, der den besten Uphill-Fahrern der Vorsaison verliehen wird - ging als klarer Favorit an den Start. Dieser Rolle wurde er gerecht und landete mit nur 0,7 Sekunden Rückstand auf Platz zwei. Für Kelan war es die erste Powerstage mit einem kompetitiven Motor. Er erwischte einen sauberen Run und wurde Vierter mit fünf Sekunden Rückstand auf die Spitze.
Théo: Platz 2 | 1:18.05 (+0.70s) - Kelan: Platz 4 | 1:21.80 (+4.45s)
Powerstage 2
Nach einer kurzen Pause von 15 Minuten ging es direkt in die zweite Powerstage. Diese schlängelte sich am Fluss entlang und erforderte präzises Fahren sowie die Fähigkeit, viel Geschwindigkeit mitzunehmen. Das Ende bildete eine steile Uphillpassage mit künstlich angelegten, vom Moto Enduro inspirierten Features. Einige Fahrer fielen am Ende der Stage erschöpft vom Rad - das verdeutlichte den enormen physischen Anspruch der Uphill Stages eindrucksvoll. Kelan erwischte erneut einen sauberen Lauf und wurde Vierter. Auch Théo wiederholte seine Platzierung aus der ersten Stage und wurde Zweiter. Die ersten vier lagen damit innerhalb von rund acht Sekunden. Die perfekte Voraussetzung für ein enges Rennen am Sonntag.
Théo: Platz 2 | 1:09.63 (+2.22s) - Kelan: Platz 4 | 1:11.88 (+4.47s)
Sonntag: Race Day
Der Sonntag gehörte dem eigentlichen Rennen. Acht Stages warteten auf die Fahrer, aufgeteilt durch eine Tech Zone in der Streckenmitte.
Stage 1 - Lauf 1
Die längste Stage des Wochenendes und gleichzeitig die physisch härteste. Die Siegerzeit lag knapp unter sechs Minuten. Lange Flachpassagen wechselten sich mit unrhythmischen Offcamber-Kurven ab, bei denen die richtige Linienwahl und die Fähigkeit, Geschwindigkeit durch die Sektionen zu tragen, entscheidend waren. Dazu musste viel oberhalb von 25 km/h pedaliert werden - das spielte den größeren und stärkeren Fahrern in die Karten. Théo erwischte einen Sahnelauf und wurde direkt Zweiter, geschlagen nur vom aktuellen EDR-Overall-Champion Slawomir Lukasik. Kelan startete solide und wurde Fünfter. Weltmeister Adrien Dailly hatte einen Platten am Hinterrad und verlor dadurch rund 15 Sekunden auf die Spitze.
Théo: Platz 2 | 5:55.53 (+4.68s) - Kelan: Platz 5 | 6:07.72 (+16.87s)
Stage 2 - Lauf 1
Ein kompletter Kontrast zur Eröffnungsstage. Mit Siegerzeiten knapp unter einer Minute die kürzeste des Tages. Pedalarbeit spielte kaum eine Rolle - umso wichtiger war es, den Speed konstant hochzuhalten. Gebaute Berme wechselten sich mit natürlichen Anlieferkurven ab. Einige enge, felsige Kurven mündeten in den letzten Sprung, bei dem die Fahrer hart scrubben mussten, um die Ziellinie sauber zu treffen. Die Zeiten lagen dementsprechend sehr eng beieinander, und unsere Athleten konnten ihre Positionen behaupten.
Théo: Platz 3 | 0:59.10 (+0.22s) - Kelan: Platz 6 | 1:00.18 (+1.30s)
Stage 2 - Lauf 2
Eine kurze Verbindung führte direkt zurück an den Start und sofort in den zweiten Lauf.
Théo: Platz 5 | 0:59.62 (+2.49s) - Kelan: Platz 10 | 1:01.04 (+3.91s)
Stage 3
Der Einstieg ähnelte Stage 2: Bikepark-Kurven und Sprünge. Allerdings waren die Jumps auf Trail-Geschwindigkeit ausgelegt, was es schwierig machte, die Weite zu kontrollieren und die Landungen nicht zu überspringen. Im Mittelteil wurde es eng und steil, die Kurven unorthodox. Das Ende des Trails war hochgradig E-Bike-spezifisch: technische Uphillkurven, bei denen der gezielte Einsatz des Motors alles entschied. Auf dem Papier nicht die schwerste Stage - in der Realität eine der kräftezehrendsten des Tages.
Théo: Platz 3 | 1:59.75 (+2.80s) - Kelan: Platz 6 | 2:00.48 (+3.53s)
Technical Assistance Zone
Nach vier Stages ging es über eine alternative Strecke zurück in die Pits, inklusive einiger technischer Anstiege entlang des Flusses. 55 Minuten für Essen, Trinken und Akkumanagement. Hier zeigten sich klare Unterschiede zwischen den Teams. Wer schnelle Akkuwechsel im Griff hatte, war klar im Vorteil - und hier ist die einfache Akkuentnahme unserer Rotwild Bikes ein echter Game-Changer. Noch ein weiterer Vorteil des auf 750 Watt begrenzten Motors: Bei über 1000 Höhenmetern und einer 860-Wh-Batterie hatten die Jungs gerade einmal 45–50 % des Akkus verbraucht. Vielleicht lohnt sich in Zukunft der Umstieg auf leichtere Batterien.
Zwischenstand: 1. Théo: 12:21.68 - 2. Dailly: +4.62s - 3. Garribo: +5.20s - 4. Lukasik: +6.57s - 5. Kelan: +21.42s
Stage 1 - Lauf 2
Nach der Tech Zone wartete direkt wieder die härteste Stage des Tages. Mit bereits vier Stages in den Beinen ein echter Charaktertest - hier zeigte sich, wer sich nach der Pause am besten neu fokussieren konnte. Kelan war den ganzen Tag in einen engen Zweikampf mit dem Deutschen Lars Pfeifer um den Anschluss ans Podium verstrickt. Lars hatte auf dieser Stage einen Crash, was Kelan ermöglichte, an ihm vorbeizuziehen. Mit zunehmender Länge fand er immer besser ins Rennen.
Théo: Platz 4 | 5:52.97 (+3.15s) - Kelan: Platz 5 | 5:56.78 (+7.96s)
Stage 4
Stage 4 holte das Maximum aus dem verfügbaren Gelände heraus. Enge Kurven wechselten sich mit Sprintpassagen ab, am Ende musste viel Strecke mit hoher Geschwindigkeit am Hang traversiert werden. Die eng stehenden Bäume machten alle Trails schwierig zu racen - und einer von ihnen entschied das Rennen. Théo blieb in einer Traverse mit dem Lenker hängen, der daraus resultierende Crash kostete ihn wertvolle Sekunden und die Führung. Währenddessen feierte Kelan seine beste Stage des Tages.
Théo: Platz 5 | 3:31.98 (+7.63s) - Kelan: Platz 3 | 3:29.70 (+5.35s)
Der Crash hatte die Karten neu gemischt. Dailly übernahm die Führung, Théo fiel auf Platz drei zurück - der Kampf ums Podium war aber noch voll offen.
Zwischenstand: 1. Dailly: 21:40.88 - 2. Garribo: +5.60s - 3. Théo: +5.75s - 4. Lukasik: +6.95s - 5. Kelan: +28.70s
Stage 5
Stage 5 gehörte durch den hohen Schotteranteil und die kurze Laufzeit zu den intensivsten des Wochenendes. Dazu kamen einige der tückischsten Stellen des Rennens: blinde Drops in enge Kurven mit späten Bremspunkten. Wer hier die falsche Linie erwischte, riskierte Sturz oder Defekt. Beide Fahrer schafften es, ihre Plätze zu verteidigen. Théos Podiumschancen standen damit weiterhin gut - ob es Platz zwei oder drei werden würde, war jedoch noch offen.
Théo: Platz 2 | 2:11.76 (+0.55s) - Kelan: Platz 5 | 2:13.05 (+1.84s)
Stage 6
Für die letzte Stage wechselten die Fahrer auf die andere Seite des Flusses - und damit auch den Untergrund. Harter Boden mit loser Kiesschicht obendrauf: schnell, fordernd und wenig verzeihend. Der Einstieg verlangte präzise Gangwahl aus jeder Kurve, um den Flow nicht zu verlieren. Das Ende des Trails machte dann richtig Spaß: gebaute Anlieger durch den Wald, kombiniert mit natürlichen Gaps. An den Platzierungen beider Fahrer änderte sich nichts mehr.
Théo: Platz 3 | 2:16.16 (+2.75s) - Kelan: Platz 7 | 2:19.43 (+6.02s)
Das Ergebnis
Théo fuhr den ganzen Tag um den Sieg mit und lieferte eine konstante Leistung ab. Der Crash in Stage 4 kostete ihn die Führung und letztlich den Sieg - am Ende musste er sich nur Adrien Dailly, dem amtierenden Weltmeister, und Andrea Garribo, dem aktuellen Gesamtweltcupsieger, geschlagen geben. Platz drei beim allerersten Rennen im Trikot des Rotwild Schwalbe Gravity Teams. Besser hätte der Einstand kaum laufen können. Kelan rundete das Ergebnis mit Platz fünf ab - für ihn das erste große Rennen nach seiner schweren Verletzung bei der WM 2025. Ein starkes Comeback-Signal.
Endergebnis: 1. Dailly: 26:06.60 - 2. Garribo: +5.76s - 3. Théo: +7.95s - 4. Lukasik: +10.24s - 5. Kelan: +35.46s
Fazit
Nova Gorica hat die Latte für die European E-MTB Tour 2026 direkt hochgelegt. Tolle Trails, enge Abstände und eine Atmosphäre, die Lust auf mehr macht. Für uns war es - vor allem angesichts der Last-Minute-Zulassung des M2S Race750 - ein rundum gelungener Saisonstart. Die Leistungen von Théo und Kelan haben gezeigt, was diese Saison möglich sein wird. Nächste Woche findet bereits das nächste Rennen der Tour in Belgien statt. Dort wird auch Helen endlich in die Saison einsteigen. Wir freuen uns, euch durch die Saison zu begleiten und euch wertvolle Einblicke rund um das Thema E-Racing zu liefern.