Erstbefahrung mit dem R.X1000
Tests in verschiedenen Stadien sind im Entwicklungsprozess eines ROTWILD Bikes unerlässlich. Wir machen sie mit einzelnen Bauteilen, ebenso mit Fahrversuchsträgern oder Modellen, die schon sehr nah an der Serienreife sind. Das war beim R.X1000 – unserem stärksten All Mountain Bike – nicht anders. Designer Lutz Scheffer und ROTWILD Ingenieur Christoph Scheuvens haben sich ins Ötztal aufgemacht und das R.X1000 einem finalen Check im ultimativen Einsatzbereich unterzogen. Beide waren hierfür jenseits der Baumgrenze unterwegs. Wo Felsen und wilde Wasser die Landschaft prägen
Vorbereitung ist (fast) alles
Es ist früh am Morgen. Wer hoch hinaus und weit in die Berge will weiß, dass ein früher Start zeitlichen Puffer für die Unwägbarkeiten am Wegesrand schafft. Also nehmen Christoph und Lutz einen guten Schluck Kaffee, schauen auf die Karte und besprechen die Tour. Lutz kennt das Terrain in den österreichischen Alpen. Sein Kompagnon ist ein versierter Mountainbiker und Sportler. Körperliche Fitness sollte also kein Problem sein. Also heißt es: die beiden R.X1000 fertig für die lange Tour zu machen. Fahrwerk und Reifendruck einstellen gehört dazu. Ebenso der Check des Equipments. Dämpferpumpe und Luftpumpe, sowie mobile Werkzeugtools sind auf alle Fälle dabei.
Elektronisch und zuverlässig Schalten in den Bergen
Auf der ersten Etappe bis zur nächsten Hütte geht es auf dem Wirtschaftsweg auf Schotter smooth voran. Zeit über Grundsätzliches zum Bike zu sprechen. Etwa die Motor.Gearbox.Unit (MGU) von Pinion, eine Neuentwicklung, die der Hersteller aus Schwaben auf der Eurobike in Frankfurt 2023 der Weltöffentlichkeit vorgestellt hat. „Die MGU vereint Motor und Getriebe in einer Einheit. Mit 85 Nm, bis zu 600 Watt Leistung und 12 Gängen unterstützt der Antrieb sehr kräftig“, so Christoph Scheuvens. Für die bevorstehenden Steigungen ist das ein gutes Omen. „Die Schaltung sitzt im robustem Magnesiumgehäuse und ist vor äußeren Einflüssen bestens geschützt. Das Magnesium hilft außerdem dabei, das Gewicht niedrig zu halten. Gerade in steinigem Gelände mit erhöhter Gefahr des Aufsetzens ist das ein starker Vorteil.“ „Das elektronische Schalten in einer Einheit aus Mittelmotor und Zentralgetriebe ist ein enormer Mehrwert. So etwas gab es bis dato im Bereich der eMTBs noch nicht. Die Masse ist in der Mitte des Bikes zentriert und wird dort mitgefedert. Zudem ist die MGU sehr wartungsarm“, ergänzt Lutz Scheffer. „Das sequentielle Stirnradgetriebe schaltet unter jeder Bedingung. Du betätigst den Schalter am Lenker und der Gang ist zuverlässig drin. Auch im Stand ohne Drehzahl sind die Gänge durchschaltbar. Gerade mit Blick auf das Terrain hier, gibt das enorm viel Sicherheit.“
Zeit für ein kurzes Verschnaufen
Bald ist der erste Abschnitt geschafft. Verschnaufen ist angesagt. Kraft tanken vor dem nächsten Stück. „Das R.X1000 ist eine konsequente Weiterentwicklung des R.X750, mit dem wir vor einigen Jahren einen bestimmten Einsatzbereich im All Mountain Sektor neu definiert haben: die Suche nach den Extra-Höhenmetern“, erklärt Lutz Scheffer. „Als Anwendungspartner von Pinion zur Entwicklung der MGU war das R.X750 die Konstruktionsgrundlage“, betont der Designer. „Mit der MGU in Verbindung mit dem FIT-Akku mit einer Kapazität von effektiv 960 Wattstunden geben wir dem Fahrer nochmal eine gute Portion mehr Kraft und Ausdauer an die Hand“, weiß Christoph Scheuvens zu berichten. Sprechens und biegen beide auf den nun schmaler werdenden Trail ab. „Gerade wenn – wie hier auf dem Trail – der Tritt ein wenig unrunder wird, hilft es, dass die elektronische Schaltung beim Anhalten immer in den vorgewählten Gang schalten kann. So gelingt Anfahren am Berg und aus dem Stand heraus problemloser“, so der Ingenieur weiter. „Zudem braucht das R.X1000 aufgrund der MGU kein gesondertes Schaltwerk oder eine Kassette mehr. Was nicht da ist, kann auch nicht kaputt gehen.“
Das R.X1000 beweist Kletterexpertise
Mittlerweile wird der Trail immer verwinkelter. Wir sind über die Baumgrenze hinaus und der Pfad wird steiniger und ruppig. „Wir setzen im R.X1000 auf ein Mullet-Konzept. Hinten fahren wir einen 27,5“-Reifen. Der ist ein wenig breiter als der Reifen auf dem Vorderrad. Mit entsprechend weniger Druck erhöht sich die Reifenaufstandsfläche. Das führt zu mehr Grip in diesem Gelände“, resümiert Christoph Scheuvens. „Zudem können wir mit dem kleineren Laufrad hinten das Fahrwerk verkürzen. Das sorgt für mehr Agilität in der Bewegung des Fahrrads. Außerdem kommt dem Fahrer auf anspruchsvollen Passagen das Hinterrad weniger schnell zu nahe wie bei einem 29er-Laufrad.“ „Gerade aus dem Blickwinkel auf Sportlichkeit und unsere ROTWILD Tradition setzen wir im R.X1000 in Verbindung zur MGU auf eine Longlife-Kette. Sie verläuft im Gegensatz zu einer schräglaufenden Schaltkette sehr leise. Zudem ist der Kettenspanner optimal gegen Tretlageraufsetzer geschützt. Er ist klein und leicht und steht seitlich nicht vom Rahmen ab“, betont Lutz Scheffer. „Sie hat einen Wirkungsgrad von 98%. Es kommt also ohne viel Reibungsverlust die Kraft des Motors am hinteren Laufrad an. Zudem ist sie sehr wartungsarm, weil sie ohne den Schräglauf über einzelne Kettenblätter einer Kettenschaltung in der Kombination mit der MGU immer in einer geraden Linie verläuft.“
Kurz vor dem Ziel wird der Anstieg richtig anspruchsvoll
Irgendwann erreicht das Duo das Hochplateau. Der Blick auf imposante Bergspitzen wird frei. Im Sonnenlicht glitzert das Eis eines Gletschers. Langsam nähert sich das Ziel, der Wendepunkt, ab dem es wieder zurück ins Tal geht. Greifbar nah und doch noch weit entfernt. Weil das Gelände ruppig wird. Verblockte Passagen liegen auf dem Weg. Pedalieren wird zum Teil unmöglich. Jetzt kommt die Schiebehilfe zum Einsatz, die sich manuell schalten lässt. „In besonders schwierigem, alpinen Gelände lernt man auch die Schiebehilfe zu schätzen. Diese unterstützt immer gleich mit der richtigen Geschwindigkeit, denn die Motor-Getriebe-Einheit weiß zu jedem Zeitpunkt in welchem Gang sie sich befindet", sagt Christoph Scheuvens. "Anders als ein System mit herkömmlicher Kettenschaltung. Die Schiebegeschwindigkeit lässt sich zudem am Display sehr sensibel einstellen. Dadurch wird der Fahrer ideal unterstützt wird. Man muss weder auf das Rad warten oder gar hinterher hechten.“
Wieder im Ziel
Wieder im Ziel ist klar zu erkennen: Die Tour war anstrengend, es ist Zeit die Akkus wieder aufzuladen – die eigenen ebenso wie die in den Bikes. „Wir waren den ganzen Tag unterwegs. Das hat natürlich Energie aus dem FIT-Akku verbraucht. Dennoch haben wir auch jetzt immer noch ein komfortables Polster. Reichweitenangst muss man mit dem R.X1000 also wirklich nicht haben. Es ist für eine lange, epische Tour, in einsamem Gelände gemacht. Durch den wirkungsvollen Motor, den starken Akku und die robuste Konstruktion ist das R.X1000 ein wirklicher Game-Changer“, sagt Lutz Scheffer.