10. Dezember 2024

Der Beginn unserer Reise

ROTWILD Rennsport Historie Teil 1

Mountainbiking und Rennsport – seit Anfang an sind diese zwei Komponenten untrennbar miteinander verbunden. Der Grundstein wurde bereits in den 1970er-Jahren gelegt, als in Kalifornien eine Handvoll Hippies begannen, auf ihren modifizierten Beachcruisern die Hänge des Mount Tamalpais hinunterzuballern. Schon bald entstanden erste Wettkämpfe auf diesen sogenannten „Clunkern“, und spektakuläre Rennen wie das legendäre Repack Race begeisterten Fahrer sowie Zuschauer gleichermaßen. Diese Events verkörperten den Geist der neu geborenen Sportart auf ideale Weise: Abenteuerlust, die Freude an der Geschwindigkeit und die Herausforderung, die eigenen Grenzen auszutesten.

Der Rennsport ist somit ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Mountainbike-Kultur und spiegelt die Faszination dieses Sports perfekt wider. Ob man nun genüsslich auf Singletrails unterwegs ist oder im Rennmodus an seine physischen Grenzen geht – auf dem Allroundgerät Mountainbike ist alles möglich. Unsere Faszination für den Radsport ist Teil unserer DNA und ein Grundpfeiler für ROTWILD. Seit über 30 Jahren bauen wir nicht nur High-End-Mountainbikes, sondern immer auch Räder für den Wettkampf, ganz gleich, ob es sich um die Kategorie Downhill, Cross-Country, Marathon oder Enduro handelt. Immer verfolgen wir unbeirrt die Aufgabe, das absolut Beste und die größte Leistung aus jedem Rad herauszuholen – Ready for Racing.


„Der Rennsport, mit seinen ganz verschiedenen Disziplinen und Facetten, ist immer verbunden mit der Faszination, dass wir uns in der Natur bewegen.“

Ole Wittrock, ROTWILD Marketing

Von unseren ersten Schritten im Downhill-Rennsport bis zu den innovativen Technologien, die wir heute in unsere E-Bikes integrieren – unser Weg war von Herausforderungen, Rückschlägen und großen Erfolgen geprägt. Wir haben uns immer daran orientiert, das Fahrgefühl und die Performance für unsere Kunden und Athleten auf das nächste Level zu bringen. In diesem Artikel möchten wir auf unsere Reise zurückblicken und zeigen, was uns angetrieben hat und wohin unser Weg uns geführt hat.

Der Beginn: Ein Weltmeisterbike aus dem Katalog

Die Geschichte von ROTWILD begann so, wie vielleicht viele große Geschichten beginnen – mit einem glücklichen Zufall. Peter Schlitt, Gründer von ADP Engineering und ROTWILD, erzählt: „ROTWILD kam eher zufällig in den Rennsport. Ein guter Freund von uns, der deutsche Top-Athlet Stefan Herrmann, war mit seinem damaligen Fahrrad unzufrieden. Er fragte uns, ob wir ihm ein Rad zur Verfügung stellen könnten. Wir gaben ihm einfach eines unserer Fahrräder direkt aus dem Katalog.“ 

Das Rad war eigentlich gar nicht für den Renneinsatz bestimmt, war nagelneu und trug sogar noch eine Papierbanderole. So nahm Stefan Hermann es mit nach Australien, wo die Weltmeisterschaft in Cairns stattfand. Und was als nette Geste und freundschaftlicher Akt begann, sollte die Marke ROTWILD sehr schnell auf die Landkarte des Mountainbike-Rennsports katapultieren.

Downhill Weltmeister, mehrfacher Deutscher Meister sowie Kurventechnik Guru in seiner eigenen MTB-Fahrtechnik Schule, die der Franke seit 1997 betreibt: Stefan Herrmann ist einer der deutschen Pioniere im Mountainbike Rennsport, von dem später viele erfolgreiche Athletinnen und Athleten profitiert haben. 1996 reiste er mit einem der ersten ROTWILD Bike nach Australien und kehrte als Weltmeister zurück.

Es kam, wie es kommen musste: Stefan Herrmann gewann auf dem ROTWILD-Bike spektakulär den Weltmeistertitel in der Masterclass. Das war nicht nur ein unglaublicher Erfolg, sondern der Augenblick, der uns zeigte, dass unsere Räder das Zeug dazu hatten, ganz oben mitzuspielen. „Das war der Moment, der uns ins Rampenlicht stellte“, erinnert sich Peter Schlitt. „Wir waren auf einer Messe in den USA, als die Nachricht uns erreichte. Und plötzlich waren wir nicht nur irgendeine kleine Marke – plötzlich hatten wir einen Weltmeistertitel.“ Dieses erste Abenteuer im Downhill-Sport hat die Zukunft von ROTWILD maßgeblich beeinflusst. Von da an wussten wir, dass wir uns der Herausforderung stellen und weiter in den Rennsport investieren wollten.

Stefans Sieg bei der WM löste etwas aus. Wir begannen uns intensiv mit dem Thema Rennsport zu beschäftigen. Ziel war es den Rennsport auf ein neues Level zu heben, die Bikes im harten Wettbewerbseinsatz zu fahren und zu optimieren. Und so entstand das Team FIAT ROTWILD. Die Partnerschaft mit FIAT-Transporter, seinerzeit Marktführer in diesem Segment, unterstrich den professionellen Anspruch. Unsere Athletinnen und Athleten waren immer mehr als nur Fahrer, sie wurden zu echten Entwicklungspartnern. Ihr Feedback hat unser Engineering-Team enorm vorangebracht und half dabei, jede neue Bike-Generation noch besser zu machen.

Seit der Gründung 1996 bis zur letzten Saison 2013 gehörten rund 40 Fahrerinnen und Fahrer unterschiedlichster Disziplinen und in wechselnden Besetzungen dem Team FIAT ROTWILD an. Es trug wesentlich dazu bei, das Mountainbiking in Deutschland populär zu machen und professionellere Strukturen in diesem Sportbereich zu etablieren. Die Kooperation zwischen einem Fahrradhersteller und einem großen Automobilhersteller wie FIAT als Titelsponsor war für die damalige Zeit recht innovativ und sorgte für Aufmerksamkeit sowohl im Radsport als auch im Marketing.

Der wilde Westen des Downhill-Rennsports

Es war nie unsere Idee, einfach nur Räder zu bauen. Das war nicht das Ziel. Unsere Vision war und ist es nach wie vor, das bestmögliche Rad zu bauen – ein Bike, das so gut ist, dass man es sofort in einem Rennen einsetzen kann. Zum Beispiel bei einer Weltmeisterschaft. Vielleicht ist das der höchste Anspruch, den man an ein Bike stellen kann, aber genau diesen Anspruch versuchen wir mit jedem neuen Modell zu erfüllen. Besonders herausfordernd ist in diesem Kontext natürlich der Downhill-Bereich. Es ist eine der gefährlichsten und spannendsten Disziplinen im Mountainbike-Rennsport und stellt hohe Anforderungen an das Material. Denn das Equipment muss hier nicht nur technisch perfekt funktionieren – es muss auch extremen Belastungen standhalten, schließ-lich geht es um nichts weniger als die Gesundheit des Fahrers.



„Für die Fahrer und Fahrerinnen sowieso, aber auch für uns als Hersteller war das oft ein Ritt auf der Rasierklinge.“

Peter Schlitt, CEO ADP Engineering GmbH

In den Anfängen des Mountainbikens gab es kaum Normen oder brauchbare Standards, und die Fahrer waren oft Versuchskaninchen für neue Technologien und zum Teil unberechenbaren Risiken ausgesetzt. Danny Herz, selbst ehemaliger Rennfahrer und seit über 24 Jahren für ROTWILD als Teammechaniker tätig, erinnert sich: „Es war eine extrem wilde Zeit. Die Fahrer und Fahrerinnen konnten einem oft leidtun, weil sie Testpersonen für das ganze Thema waren. Die existierenden Testnormen kamen aus dem Trekkingbereich, das hatte mit Downhill nichts zu tun.“



„Es gab kaum vernünftige Normen. Die Normen zum Testen, die es gab, die waren eher von einem Trekkingrad.“

Danny Herz, Team Manager

Um diese Lücke zu füllen, begann ROTWILD schon sehr früh mit dem Fraunhofer-Institut in Darmstadt zusammenzuarbeiten, um zuverlässige und aussagekräftige Tests zu etablieren. Besonders Mitbegründer und Entwickler Peter „Pedro“ Böhm war es, der echte Pionierarbeit leistete. Statt sich wie viele andere auf Schätzungen und Erfahrungswerte zu verlassen, brachte er die Dehn-Messstreifen-Technologie (DMS) in die Mountainbike-Welt. Mit dieser Technik konnte er genau messen, welche Kräfte während Testfahrten oder Rennen auf die Rahmen wirken. Die Daten haben uns bei ROTWILD sehr geholfen, Rohrsätze zu entwickeln, die perfekt auf die extremen Belastungen im Mountainbikesport abgestimmt sind. Pedros Forschungen waren der Startschuss für unsere moderne, datengestützte Rahmenentwicklung, die uns bis heute prägt.

Grundlagenforschung im Renneinsatz: Durch den Einsatz von Dehnmessstreifen konnten wir erstmals detailliert messen, wie sich Kräfte und Spannungen innerhalb des Rahmens unter realen Belastungen verteilen. Das Dehnmessstreifen-Verfahren war für den Bau leichter Mountainbikes eine Revolution, es legte den Grundstein unseres Knowhows und sorgte dafür, dass unsere heutigen Rahmen die gestiegenen Belastungen beim Trail- und Downhill-Fahren problemlos aushalten können. Auch heute gilt: der Mountainbike Wettkampfsport ein essentieller Teil der ROTWILD Produktphilosophie und Entwicklungsarbeit.

Wir lernten täglich dazu, um die Bikes noch besser und vor allem sicherer zu machen. Doch auch mit fortschrittlicher Testmethodik blieb der Sport gefährlich. Danny Herz gibt zu: „Viele unserer Fahrer haben den Boden berührt, weil irgendetwas am Rad gebrochen war. Wir haben die Grenzen neu ausgelotet, und es gab immer wieder Schreckmomente.“ Alle Herausforderungen hielten uns nicht davon ab, unserem Ziel näher zu kommen. Immer wieder belegten Athleten aus dem ROTWILD Team Spitzenplätze und konnten sich mit den größten Namen der Szene messen. Die Fahrer und ihre Fahrräder standen an der Grenze des Machbaren, aber genau das machte den Reiz aus – und brachte unbezahlbare Erkenntnisse für die Entwicklung der Bikes. Und trotzdem muss man festhalten: Die frühen Jahre des Downhill-Sports bei ROTWILD waren nicht nur gewinnbringend und aufregend, sondern auch extrem risikoreich und Adrenalin pur.

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