20. Dezember 2024

Das Drama von Maribor: der Verlust von Herzblut und Bikes

ROTWILD Rennsport Historie Teil 2

Vielleicht gehören zu Erfolgen auch immer Rückschläge, und vielleicht sind diese nötig, um zu wachsen. Eine der dramatischsten Geschichten in der ROTWILD Rennsporthistorie ereignete sich 2003 in Maribor, Slowenien. Unsere speziell angefertigten ROTWILD Downhill-Bikes, auf die wir monatelang hingearbeitet hatten, wurden über Nacht gestohlen. Zehn Bikes – jedes einzelne ein Unikat und High-End ausgestattet – einfach weg.

Der Anruf kam am Morgen aus der Hotelrezeption. Danny Herz, der als Teammechaniker vor Ort war, erinnert sich gut: „Ich wurde angerufen und mir wurde gesagt, ich solle zum Auto kommen. Als ich zum Teamtruck ging und die Tür öffnete, war er leer. Am Vortag waren dort noch zehn Downhill-Räder drin – alle Spezialanfertigun-gen, an denen wir monatelang gearbeitet hatten. Ich habe mich einfach vor den Truck gesetzt und geheult.“

Diese Räder waren nicht nur Wettkampfgeräte – sie standen für unzählige Stunden Arbeit, Hingabe und Teamarbeit. Jeder Rahmen, jede Komponente war perfekt auf die Fahrer abgestimmt, maßgeschneiderte Maschinen, die nicht einfach ersetzbar waren.

Das Timing hätte nicht schlimmer sein können. In der Qualifikation hatten die ROTWILD Racer sehr gute Re-sultate erzielt und blickten voller Hoffnung auf das bevorstehende Rennen. Doch mit dem Diebstahl der Räder war all das zunichte gemacht. Ohne die Wettkampfbikes war an einen Start nicht zu denken – das Rennen war gelaufen, bevor es überhaupt begonnen hatte.

In jedem Rückschlag, in jeder Krise liegt auch immer eine große Chance. Es ist plötzlich Platz da für Veränderungen, Fortschritt und Wachstum. Dieser Verlust führt uns zurück zu unseren Kernwerten und motiviert uns, noch stärker an unserem Ziel zu arbeiten: leistungsstarke, wettkampftaugliche Bikes zu entwickeln, die in der höchsten Liga mitspielen. Wir betrachten diesen Rückschlag nicht nur als Hürde, sondern sehen ihn heute als wegweisenden Moment, uns neu auszurichten und gestärkt aus der Situation hervorzugehen.



Ein Sieg nach dem anderen: Der Aufstieg im Cross-Country und Marathon

Das Engagement von ROTWILD im Rennsport beschränkte sich nicht nur auf das Downhill-Segment. Das Team wurde breiter aufgestellt, und schon bald kamen die Disziplinen Cross-Country und Marathon dazu, zwei technisch anspruchsvolle und konditionell sehr fordernden Spielarten des Mountainbike-Sports. Hier erzielte ROTWILD einige der größten Erfolge in seiner Geschichte.

Weltmeistertitel, nationale Meisterschaften und unzählige Rennsiege – unsere ROTWILD Bikes standen dank der engen Zusammenarbeit von Engineering und Spitzenathleten immer wieder ganz oben auf internationalen Podien. Sportgrößen wie Regina Stiefl, Irina Kalentieva und Alban Lakata prägten über Jahre unser Team. Sie waren nicht nur erfolgreiche Rennfahrer, sondern vor allem entscheidende Impulsgeber für die stetige Weiter-entwicklung unserer Bikes – ein Erfolg, der auf Leidenschaft und Innovation basiert.

Ein Höhepunkt war zweifellos der Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking durch die russische Fahrerin Irina Kalentieva. Kalentieva im Team TOPEAK ERGON. Weil sie nur 1,55 Meter groß war, fuhr sie ein speziell angepasstes ROTWILD Race-Hardtail in Größe XS. „Das war eine riesige Ehre“, erinnert sich Danny Herz. „Über mehrere Jahre war Irina unser Aushängeschild. Sie war zierlich und extrem leicht, aber ihre Leistung war überwältigend. Ihr Erfolg hat uns gezeigt, was möglich ist, wenn alles zusammen-kommt – Athletin, Technik und Teamgeist.“

„Es war eine Erfolgsgeschichte, die von der ersten Vize-Weltmeisterschaft über Olympia-Bronze bis hin zu internationalen Titeln in Cross-Country und Marathon reichte.“

Peter Schlitt, CEO

Konstruiert für Höchstleistungen und kompromisslos auf den Renneinsatz hin optimiert: 2006 präsentierten wir das R.R2 HT Race-Hardtail, das schnell auf Weltcupstrecken überzeugte. Von 2006 bis 2010 waren wir stolzer Partner des Weltcup-Teams TOPEAK ERGON, das auf unseren Carbon-Bikes sieben Weltmeister- und Vize-Weltmeistertitel sowie eine Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen errang. Auch das Team FIAT ROTWILD setzte unsere innovative Carbon-Technologie über Jahre ein und feierte zahlreiche Erfolge.

Es folgten mehrere Weltmeistertitel im Cross-Country, und mit ihr an unserer Seite wurde ROTWILD zu einem Symbol für Präzision und Performance. Irina prägte eine ganze Ära und brachte dem Team mit ihren Spitzenleistungen Anerkennung und Respekt auf der Weltbühne des Radsports.

Doch sie war nur der Anfang. ROTWILD sammelte in den folgenden Jahren zahlreiche Titel in vielen verschiedenen Wettkampfformaten: Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und nationale Meistertitel in Deutschland, Frankreich, Österreich und Großbritannien. „Wir wollten immer zeigen, dass wir auch gegen die großen Namen bestehen können“, sagt Peter Schlitt. „Und das haben wir geschafft – oft mit viel weniger Budget, aber umso mehr Leidenschaft und Innovation.“

Ebenso beeindruckend verlief die Karriere des österreichischen Marathon-Profis Alban Lakata, der durch seine Erfolge auf der Langstrecke das Potenzial der ROTWILD Bikes für extreme Einsätze eindrucksvoll unter Beweis stellte. Lakatas Fähigkeiten auf anspruchsvollen Marathon-Strecken spiegelten genau das wider, wofür ROTWILD als Marke steht: Qualität, Ausdauer und Leistungsfähigkeit. „Es war immer unser Antrieb, Neues auszuprobieren und das technisch Machbare auszuloten“, sagt Peter Schlitt, Gründer von ADP Engineering und ROTWILD.

„Durch Athleten wie Irina Kalentieva und Alban Lakata konnten wir zeigen, dass ROTWILD Bikes auch auf höchstem Niveau im internationalen Wettkampf bestehen.“ 

Peter Schlitt, CEO ADP Engineering GmbH


Für Danny Herz, der seit über 24 Jahren ein fester Bestandteil des Teams ist, geht der Wert dieser Erfolge weit über Medaillen hinaus. „Die Erfolge, die unser Team erreicht hat, stehen für die Leidenschaft, die ROTWILD antreibt, und die auch in jedes Rad einfließt, das wir bauen“, erklärt Herz, dessen technisches Know-how maßgeblich zur Verwirklichung vieler Bikes beigetragen hat.

Natürlich wollen wir nicht die vielen anderen Teamfahrer vergessen, die erfolgreich für ROTWILD die Rennkurse dieser Welt erobert haben. Top-Athleten wie Lukas Baum, Kerstin Brachtendorf, Mickaël Deldycke, Wolfram Kurschat, Stefan Kudella oder Nadine Rieder, um nur einige zu nennen, errangen zahlreiche Meistertitel und Worldcup-Siege. Alle siegreichen Fahrer aufzuzählen, würde an dieser Stelle sicher den Rahmen sprengen.

Diese unvergesslichen Erfahrungen und einzigartigen Erfolge unserer Athleten sind tief in der DNA von ROTWILD verankert. Sie stehen für die Leidenschaft und den Willen, stets über uns hinauszuwachsen. Für uns bedeutet das ROTWILD Race Team mehr als nur Siege – es bedeutet, sich immer wieder neu zu erfinden und Innovation in Bewegung zu setzen.

„Wir waren die Ersten, die mit Carbon im Downhill experimentierten.“

Peter Schlitt, CEO ADP Engineering GmbH

Unser Meilenstein: Der erste Carbon-Rahmen

Wenn es um technischen Fortschritt und Innovationen im Mountainbike-Sport geht, ist das Thema Carbon sicher ein wegweisendes. Als Rahmenmaterial bietet es enorme Vorteile, verlangt aber auch großes Know-how, hohe Präzision und Erfahrung. Wir haben sehr früh damit begonnen, uns dieser Herausforderung zu stellen, und Carbon auch im Downhill-Rennsport eingesetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde das High-End-Material eher für Rennräder im Radsport genutzt, doch wir sahen das Potenzial, Carbon auch im Mountainbike-Bereich zu verwenden, der zum Teil viel höhere Belastungen mit sich bringt.

Das Downhill-Bike RDH P.2: Ein Prototyp als Labor auf der Strecke. Wir wollten 2005 wissen: Wie verhält sich eine Carbon-Konstruktion unter Maximallasten, die sich im Labor so nicht simulieren lassen? Fast zwei Jahre lang setzten wir deshalb Carbon-Streben im Downhill Weltcup ein, optimierten kontinuierlich und sammelten wertvolle Erkenntnisse. Denn nicht immer hat alles gehalten. Mit dem RDH P.2 haben wir innovative Technologien auf die Probe gestellt, vieles davon ist anschließend in Serie umgesetzt worden: das Channel Tube Leichtbau Rahmenkonzept für den Gravity Bereich mit unseren eigen entwickelten Rohrsätzen. Innenliegende Gussets im Unterrohr, um die eintretenden Dämpferkräfte auf-zunehmen. Und das damals neu konstruierte X-Linkage Viergelenker System mit verstellbarer Dämpferbefesti-gung und über 180 mm Federweg.

„Wir waren die Ersten, die mit Carbon im Downhill experimentierten“, sagt Peter Schlitt. „Es war ein mutiger Schritt, aber wir wussten, dass Carbon uns einen Vorteil verschaffen würde.“ Durch den Einsatz von Carbon konnten wir unsere Rahmen nicht nur leichter, sondern auch robuster machen. Diese Innovation gab uns im Wettbewerb einen klaren Vorteil und half unseren Fahrern, noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

Auch im Cross-Country- und Marathon-Bereich setzten wir auf die Vorteile von Carbon. „Mit Carbon konnten wir Räder bauen, die sowohl für Profis als auch für ambitionierte Freizeitsportler eine hervorragende Wahl waren“, erklärt Marketingmann Ole Wittrock.

„Die Kombination aus Leichtigkeit und Stabilität machte unsere Räder zu echten Allround-Talenten.“

Ole Wittrock, Marketing ROTWILD Bikes

Maximale Leistungsfähigkeit bei minimalem Gewicht: Das Marathon Race-Fully R.R2 FS in der Edition-Ausstattung setzte Maßstäbe, indem es knapp die 10-kg-Marke unterbot und gleichzeitig für härteste Wett-kampfbedingungen ausgelegt war. Der im Tube-to-Tube-Verfahren gefertigte Carbonrahmen war bis ins Detail optimiert – 30 % leichter als vergleichbare Aluminiumrahmen. Wandstärken, Lagenmuster und Rohrkonturen wurden präzise auf experimentell und analytisch ermittelte Belastungswerte abgestimmt, um höchste Perfor-mance und Belastbarkeit zu garantieren.

Die Einführung von Carbon-Rahmen war einer der Meilensteine unserer technologischen Pionierarbeit. Wir haben uns stets bemüht, neue Materialien und Technologien zu erforschen und in unsere Produkte zu integrieren. Für uns steht die Weiterentwicklung unserer Bikes immer im Vordergrund, um unseren Athleten und Kunden das bestmögliche Produkt anzubieten.

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