Avinox M2S Race750 – Premiere im Renneinsatz
Der M2S Race750 ist die Rennversion des am 09.04.2026 vorgestellten Avinox M2S Serienmotors. Die offizielle UCI-Zulassung folgte am 15.04.2026. Schon drei Tage später, beim ersten Stopp der European E-MTB Tour in Slowenien, war der Motor erstmals im UCI-Renneinsatz auf der Strecke: das ROTWILD Schwalbe Gravity Team als erstes Team mit dem Race750. Über den langen Weg zur Zulassung und die technischen Details haben wir mit Teammanager Lukas Spießl gesprochen.
Ausgangslage: Avinox und die UCI
Bis August 2025 war das E-Racing weitgehend unreguliert. Einzige Bedingung war die EU-Vorgabe von 25 km/h Höchstgeschwindigkeit plus Toleranz. Mit den EPAC-Regularien änderte sich das. Seitdem dürfen Motoren bei UCI-Rennen eine maximale Leistungsabgabe von 750 Watt am Hinterrad haben. Für Teams, die früh auf Avinox als Antrieb gesetzt hatten, bedeutete das einen Rückschlag. Ein Start bei UCI-Rennen war nicht mehr möglich.
Der erste Anlauf
Im großen Stil greifbar wurde die Regel bei den E-XC und E-Enduro Weltmeisterschaften 2025 in der Schweiz. Gemeinsam mit Avinox und der UCI suchte das Team nach einer Lösung, leider erfolglos. Die Zeitspanne war zu knapp, einige Punkte der Regularien ließen sich auf die Schnelle nicht umsetzen. Hier prallten auch Philosophien aufeinander. Ein harter Schlag für alle Avinox-Fahrer und für das Team. Klar war aber: Für die Saison 2026 muss eine Lösung her.
Vom Konzept zur Freigabe
Für Lukas Spießl, Teammanager des ROTWILD Schwalbe Gravity Teams, begann der Prozess von vorne. Als Schnittstelle zwischen Avinox und der UCI arbeitete er weiter an einer Lösung. Im März einigten sich alle Beteiligten auf die zentralen Eckpunkte der Umsetzung. Jetzt fehlten nur noch die technische Umsetzung und die offizielle Zulassung. Am Ende lieferten alle rechtzeitig ab. Das Team reiste am 15.04. morgens zur ersten European E-MTB Tour des Jahres nach Slowenien, ohne zu wissen, wann die Zulassung kommen würde. Als am Nachmittag die offiziellen Dokumente der UCI eintrafen, drei Tage vor dem ersten Rennen, war die Freude grenzenlos.
Der M2S Race750 im Detail
Der Race750 basiert auf der Serienversion des Avinox M2S Motors. Für den Renneinsatz ist er auf 750 Watt und 130 Nm begrenzt. Die Länge des Carry-Overs wurde vom Serienmotor übernommen. Ebenso die maximale Unterstützung von 800 Prozent.
Hardfacts M2S Race750
- Spitzenleistung: 750 W
- Maximales Drehmoment: 130 Nm
- Maximale Unterstützung: 800 %
- Akku im Renneinsatz: Akku im Renneinsatz
- UCI-Freigabe: 15.04.2026
- Erstes UCI-Rennen: European E-MTB Tour Nova Gorica, 18.04.2026
Premiere im Renneinsatz
Die Premiere folgte am 18. und 19.04. beim ersten Stopp der European E-MTB Tour in Nova Gorica. In einem stark besetzten Fahrerfeld fuhr Theo Ruhlmann auf den dritten Rang und sicherte direkt das erste Podium. In der Open-Kategorie waren bereits zwei weitere Fahrer der Marke Velduro mit dem M2S Race750 am Start. Eine Woche später folgte in Belgien die Bestätigung: Theo Ruhlmann und Kelan Grant fuhren auf Platz zwei und drei, Kevin Miquel auf Megamo wurde Fünfter. Helen Weber dominierte das Rennen der Frauen und holte sich den Sieg.
Interview mit Lukas Spießl
Um mehr über den Motor und den Weg dorthin zu erfahren, haben wir Lukas Spießl zum Interview gebeten. Gemeinsam mit Torben Drach führt er seit 2024 das ROTWILD Schwalbe Gravity Team. Seine Hauptaufgabe in diesem Winter war es, die Homologation des M2S Race750 voranzutreiben.
Frage 1: Gab es ein Schlüsselerlebnis, weshalb ihr den Motor gemeinsam mit Avinox und der UCI entwickelt habt?
Wie viele wissen, wurde der E-EDR World Cup 2024 als das große neue Konzept gefeiert und im selben Jahr wieder pausiert. Schon während der Saison haben wir gemerkt, dass es große Unterschiede zwischen den Motoren gibt. Im Dezember 2024 hatten wir einen Termin bei ROTWILD, dort wurde uns die Avinox-Version des R.EXC vorgestellt. Im Meeting verständigten wir uns darauf, die WM 2025 als unser Saisonhighlight zu setzen. Realistisch war, erste Prototypen im Juli zu bekommen. Mit Blick auf den ersten Einsatz des Bikes zur WM haben wir die Saison aufgeteilt: in der ersten Hälfte Enduro, in der zweiten Hälfte mit den neuen EXC`s E-Enduro, mit vollem Fokus auf die WM.
Im Juli und August kamen dann die neuen EPAC-Regularien der UCI, die wir voll unterstützen. Damit hatten wir nur ein Problem: Der verbaute Avinox M1 lieferte mehr als 750 Watt am Hinterrad. Da die Zulassung an ein konkretes, mit maximal 750 Watt beworbenes Modell gebunden ist, reichte es nicht, einen bestehenden Motor per Firmware zu drosseln. Trotz großer Anstrengungen war eine Homologation auf die Schnelle nicht möglich. Eine Woche vor der WM in Fiesch kam die für uns und ROTWILD sehr schlechte Nachricht. Keine Zulassung. Ehrlicherweise sind da bei uns und den Athleten ein paar Tränen geflossen. Uns ging es nie um einen Vorteil, sondern darum, mit fairen Voraussetzungen an den Start zu gehen. Damals hat sich die Entscheidung der UCI mehr wie ein politisches Statement angefühlt als wie eine sportliche Entscheidung. Wir haben den Kürzeren gezogen. Zum Glück haben sich danach alle gedacht: jetzt erst recht. Über den Winter haben UCI, Avinox und wir gemeinsam eine Lösung gefunden.
Frage 2: Welche Hürden hattet ihr bei der Entwicklung und der Zulassung für UCI-Rennen?
Die größte Hürde war die Ausgestaltung der Regularien. Wörtlich heißt es: „EPAC’s Drive Unit ... must not advertise, or be measured, as delivering more than 750W maximal mechanical output at the rear wheel“. Die Zulassung gilt also immer für ein konkretes Modell, das offiziell mit maximal 750 Watt beworben und gemessen wird. Damit war eine reine Firmware-Drosselung eines bestehenden, anders beworbenen Motors keine Option. Es musste eine eigene Race-Version her, die als solche beworben und durch die UCI homologiert wird. Das allen Beteiligten zu vermitteln, war eine große Herausforderung. Der zweite Punkt waren die Ressourcen, die wir bei Avinox blocken mussten, um die Lösung umzusetzen. Dieser Zeitraum fiel unglücklich mit dem Release der Serienmotoren zusammen. Erwähnen muss man hier Carlos Chen und Ferdinand Wolf von Avinox. Ohne ihren Einsatz und ihre Leidenschaft, das Thema auch bei Avinox in Asien zu pushen, hätte das nie funktioniert.
Frage 3: Was wurde am Motor verändert?
Die wichtigsten Eckdaten finden sich in den Hardfacts: 750 Watt Spitzenleistung, 130 Nm Drehmoment, 800 Prozent Unterstützung. Das grundsätzliche Fahrgefühl ist nah an der Serie, auch der Carry-Over ist identisch. Einen aggressiveren Race-Mode wie wie bei anderen Herstellern gibt es nicht. Unser Neuzugang Theo, der vom Bosch CX-R kommt, bevorzugt die natürliche Fahrweise des Avinox. Neben der Leistung sind die aktuellen Avinox-Motoren aus unserer Sicht auch die intuitivsten zu fahren.
Frage 4: Kannst du sagen, wie der Motor gedrosselt wurde?
Die Drosselung läuft über zwei Ebenen. Auf der Hardware-Seite gibt es ein spezielles Cover mit der Aufschrift M2S Race750 und einem QR-Code, der auf die Avinox-Website mit allen Informationen zum Motor verweist. Damit können Kommissare weltweit den Code scannen und prüfen, ob es sich um die richtige Hardware handelt. Auf der Software-Seite gibt es eine Race-Firmware, erkennbar an einem Wasserzeichen am Display. Diese ist mit der E-Mail-Adresse des Athleten verknüpft. Einmal aufgespielt, bleibt sie dauerhaft auf dem System. Mehr als 750 Watt lassen sich dann nicht mehr einstellen, auch die OEMs können die Firmware nicht entfernen. Dieser doppelte Boden aus Firmware und Hardware schützt vor Manipulationsversuchen. Nur wer beides hat, darf starten.
Frage 5: Dürfen alle den Motor nutzen oder genießt ihr Exklusivität?
Die Verteilung der Motoren läuft über die OEMs von Avinox. Jede Marke konnte sich also vor der Zulassung in Position bringen. Durch unsere Beteiligung im Genehmigungsprozess wussten wir früh, was kommt, und konnten uns intensiv mit dem System beschäftigen. Uns ist es aber wichtig, den E-Bike-Sport als Ganzes zu pushen. Deshalb unterstützen wir jeden Fahrer, der Hilfe mit dem System braucht. Kevin Miquel, Weltmeister 2024 und Fahrer für Megamo, hatte in Belgien noch kein Cover, aber bereits die Firmware. Da war es selbstverständlich, dass wir ihm unser Ersatz-Cover abgeben. Beim dritten Rennen der European Tour in Castino wird auch Yannick Pontal mit dem M2S Race750 am Start stehen. Wir wollen vermeiden, dass andere Fahrer den gleichen Schmerz spüren wie wir bei der WM 2025. Parallel arbeiten wir mit der UCI und Avinox an der Verbesserung der Zugänglichkeit und Praktikabilität des Systems.
Frage 6: Wie ist deine persönliche Meinung zur Leistungsbegrenzung im Rennsport?
Der E-MTB-Sport braucht fairen Wettkampf. Auch wenn die aktuellen Regularien Schwächen haben, sind sie die fairsten seit Jahren. Durch meine enge Zusammenarbeit mit der UCI und dem technischen Abgeordneten Kieran Page konnte ich einen tiefen Blick hinter die Kulissen werfen. Mein Eindruck: Es lohnt sich, die Regularien, die wir haben, zu schützen. Vorschläge, die Batteriekapazität oder die Hardware zu begrenzen, sehe ich kritisch. Wir sind nicht im Motorsport und haben nicht die Budgets, um uns von der Serie loszulösen. Hier müssen Industrie und Verbände zusammenarbeiten. Jetzt haben alle die gleiche Leistung. Den größten Unterschied macht der Fahrer. Uns waren die 750 Watt nie zu wenig. Hier punktet das Avinox System mit hoher Sensibilität und Dosierbarkeit. Noch fairer wäre es, die maximale Leistung ans Körpergewicht zu koppeln. Aber das ist Zukunftsmusik.
Zusammenfassend stehen wir hinter den aktuellen EPAC-Regularien und der 750-Watt-Grenze im Rennsport. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, das bestehende System zu verbessern.
Ausblick
Für 2026 liegt der Fokus darauf, das System zu etablieren und weiterzuentwickeln. Das ROTWILD Schwalbe Gravity Team war eines der ersten Teams auf dem M2S Race750, aber sicher nicht das letzte. Weitere Highlights dieses Jahr sind die Runden der European E-MTB Tour, die sich zunehmend als Ersatz für den E-EDR World Cup etabliert. Darüber thront die WM im Oktober in Finale Ligure. Diesmal mit vergleichbarem Material.