All Mountain vs. Enduro
Einsatzbereich
Üppiger Federweg, hervorragendes Handling, top Uphill- und Downhill-Performance, große Vielseitigkeit: Auf den ersten Blick überwiegen bei Enduro- und All Mountain Bikes die Gemeinsamkeiten. Auch die beiden Vertreter der Aggressive Series, das R.X375 und das R.E375, haben viel gemeinsam; schauen wir also genauer hin.
Einsatzbereich des Trailkönigs
Das R.X375 ist unser All Mountain Bike. Es ist der größere Allrounder, mit sehr guter Performance bergab, aber nicht auf absolute Höchstgeschwindigkeit im Downhill ausgelegt. Der Spaß auf dem Trail steht im Vordergrund – das Erlebnis, draußen zu sein. Sein Höhenprofil ist ausgeglichen, mit ausgeprägtem Tourencharakter, Uphill und Downhill haben einen gleichbedeutenden Stellenwert.
Checkpoints:
- Hohe Vielseitigkeit für eMTB Touren auf anspruchsvollen, technischen Trails mit schnellen Singletrail-Passagen und kleineren Absätzen, teilweise verblockt, flowig
- Größere Wurzeln und Steine, Stufen und Treppenabsätze
Einsatzbereich des Draufgängers
Das Enduro R.E375 geht einen Schritt weiter in Richtung Downhill-Performance. Es ist ausgelegt auf Bestzeiten bergab, will sich immer auf der Ideallinie bewegen, es zeigt sich ein deutlicher Race-Charakter. Das R.E375 ist von Geschwindigkeit getrieben, fühlt sich am wohlsten im anspruchsvollen Gelände. Sein Höhenprofil: gemäßigt bergauf, steil bergab.
Checkpoints:
- Konsequent auf Speed orientiertes Race-Enduro für schnelle, ruppige Trails, Adrenalin-pushende, technische Abfahrten in sehr rauem, verblockten oder steilem Gelände, anspruchsvolle Wurzelpassagen, Steinfelder
- Schnelle Anlieger und massive Sprünge, extreme Steilstücke, Spitzkehren und Stufen
Federweg und Kinematik
Hier findet sich in den Rahmenkonstruktionen der offensichtlichste Unterschied. Während All Mountain Bikes sich im Allgemeinen im Bereich von 130mm-150mm Federweg bewegen, darf es beim Enduro ruhig etwas mehr sein: 150-170mm.
Unser R.E375 verfügt über 160mm Federweg am Heck und eine auf den Einsatzbereich Enduro ausgelegte Kinematik am Hinterbau. Das Übersetzungsverhältnis zwischen dem Weg des Hinterrades beim Einfedern und dem Hub am Dämpfer beginnt bei 3,2. So wirkt zu Beginn eine höhere Kraft auf den Dämpfer, und es ist weniger Kraft notwendig, um ihn einzufedern. Ein sensibles Ansprechverhalten ist das Resultat. Über den gesamten Federweg sinkt das Übersetzungsverhältnis auf ca. 2,26 ab; weniger Kraft kommt pro Weg des Hinterrades im Dämpfer an. Die hohe Progression zum Ende des Federwegs bewirkt, dass der Dämpfer nicht durchrauscht. Im Gelände bedeutet das üppige Reserven auch bei großen Sprüngen, wie sie im Downhill gerne gesehen sind.
Das All Mountain R.X375 hat mit 145mm Federweg nicht nur etwas weniger Federweg als das R.E375, es verfügt zudem auch über eine etwas andere Kinematik. Der Dämpfer hat weniger Hub, die Positionierung der Lagerpunkte ist ebenfalls angepasst. Aufgrund des reduzierten Federwegs besitzt das R.X375 gegenüber dem R.E375 eine etwas höhere Progression. Hier startet das Übersetzungsverhältnis bei ca. 3,3 und bewegt sich über den gesamten Einfederungsvorgang auf ca. 2,3. Die Gesamtabstimmung mit dem Dämpfertune führt zu einer etwas weniger progressiven Kinematik im Vergleich zum R.E375. In Kombination mit einer leichten Absenkung des Tretlagers sowie einer ca. 5 mm längeren Kettenstrebe ergibt sich ein Fahrwerk, das sich ideal für einen aktiven, agilen Fahrstil eines modernen All Mountain Bikes empfiehlt.
Checkpoints:
- Enduro und All Mountain verfügen über unterschiedliche Federwegsbereiche
- Bei unserem R.X375 sind es 145mm, beim R.E375 170mm
- Die Kinematik des R.E375 ist ausgelegt auf sensibles Ansprechverhalten und hohe Endprogression, verfügt über mehr Reserven
- Die Kinematik des R.X375 ist straffer und direkter; für Fahrer mit aktivem, agilem Fahrstil. Das Fahrwerk bietet im Vergleich weniger Reserven und wirkt etwas leichtfüßiger
Geometrie
Durch seinen größeren Fokus auf die Abfahrt haben wir dem Enduro R.E375 im Vergleich zum R.X375 einen um 3 Grad flacheren Lenkwinkel verpasst. Der Effekt: Bergab wird so eine größere Fahrstabilität erreicht, das Bike ist gerade bei hohen Geschwindigkeiten besser zu kontrollieren. Der steile Sitzwinkel kompensiert bergauf die etwas reduzierte Uphill-Performance und gleicht aus, dass weniger Druck auf dem Vorderrad lastet. Radstand und Reach sind ebenfalls im Vergleich zum R.X375 vergrößert, was hohe Laufruhe und Kontrolle unterstützt.
Die Geometrie des All Mountain R.X375 ist deutlich tourenfreundlicher angelegt. Ca. 10mm weniger Reach und der 75,5°-Sitzwinkel bringen eine ausgewogene, sportliche Sitzposition; auf längeren Strecken kann es mit mehr Komfort punkten. Der Lenkwinkel ist steiler, es kann mehr Druck aufs Vorderrad gebracht werden, die Eigenschaften auf dem Trail und im Uphill verbessern sich dadurch. Bei beiden Bikes wurde viel Wert auf gutes Handling gelegt, beim R.X375 zeichnet sich dieses eher im unteren und mittleren Geschwindigkeitsbereich ab, das Enduro R.E375 bietet dort sein bestes Handling, wenn es richtig schnell wird.
Checkpoints:
- Die Geometrie entscheidet grundlegend über die Fahreigenschaften eines Bikes
- Ein flacher Lenkwinkel, großer Reach, langer Radstand und steiler Sitzwinkel sind maßgeblich für die Downhilleigenschaften eines Enduros verantwortlich
- Steiler Lenkwinkel und gemäßigter Reach verleihen einem Trailbike gute Touren- und Uphilleigenschaften
Komponenten
Bei der Komponentenauswahl gibt es zwischen Enduros und All Mountains die größten Überlappungen - abgesehen von den Federelementen mit unterschiedlichen Federwegen (und Laufrädern, Bereifung). Ohne weiteres könnte man zwei Bikes der verschiedenen Kategorien mit den gleichen Parts bestücken. Remote Post, stabile Laufräder, breiter Lenker oder Reifen mit viel Grip gehören an jedes All Mountain oder Enduro, hier liegt es an den Vorstellungen des Fahrers, wie sein Rad aussehen soll. Um den Tourencharakter gerecht zu werden, würde man ein All Mountain tendenziell eher etwas leichter aufbauen, die zusätzliche Stabilität, z.B. in Sachen Laufrädern, ist in der Regel nicht nötig. Geringeres Gewicht bringt dann Vorteile beim Uphill und im Handling bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Extrem breite Lenker und Parts mit erhöhter Stabilität entsprechen mehr dem Enduro-Gedanken, besonders in Bezug auf Wettkämpfe. Es kommt somit sehr stark darauf an, wie man sein Enduro oder Trailbike einsetzen möchte. Dementsprechend fällt die Wahl der Komponenten aus.
Checkpoints:
- Die Auswahl der Komponenten orientiert sich am Einsatzbereich und den persönlichen Vorlieben, die der Fahrer definier
- Tendenziell lässt sich ein All Mountain etwas leichter aufbauen. Ein Enduro benötigt mehr Federweg und robustere Part, deshalb ist es etwas schwerer und gleichzeitig stabiler