Dämpferabstimmung leicht gemacht. In vier einfachen Schritten zum Grundsetup!

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Schluckfreudige Federelemente – erst sie entlocken einem Mountainbike sein volles Potenzial. Ganz klar, Federgabel und Federbein sind verantwortlich für Kontrolle und Sicherheit. Unebenheiten werden weggefiltert, das Bike wird leichter kontrollierbar. Ein voll gefedertes Fahrwerk verfolgt immer die Aufgabe, Bodenkontakt zu halten. Nur so können Lenkimpulse umgesetzt werden, die Reifen Grip aufbauen, und die Bremsen ihre Wirkung entfalten. Ein schlecht eingestelltes Fahrwerk verschenkt das Potenzial des Bikes, das richtige Einstellen der Federelemente kann eine hochkomplexe Sache sein. Muss es aber gar nicht. Es reichen nur wenige Schritte, um zu einem guten Grundsetup zu kommen. Wie das funktioniert, erklären wir euch in vier Schritten!

Die Federgabel

In der Grundposition kommt man am schnellsten zu seinem persönlichen Setup. Eine zweite Person ist dabei hilfreich, um das Bike zu halten.

Step 1: Sag (Negativfederweg) einstellen

Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.

  • Eine gute Startposition für den richtigen Luftdruck findet sich in der Bedienungsanleitung des Herstellers. Hier nach der passenden Kilogramm-Angabe suchen, vollständige Ausrüstung mit einbeziehen. Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.
  • Aufs Rad steigen, in kompletter Montur (mit Helm, Rucksack usw.), Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, Grundposition einnehmen (stehend, Kurbeln waagerecht). Eine zweite Person kann helfen, das Rad zu halten; allein lehnt man sich an eine Wand oder ein Geländer. Jetzt ein paar Mal wippen, um die Federelemente eintauchen zu lassen. Tipp: Wer viel im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob ein Setup im Sitzen für seinen Einsatzbereich z.B. bei tourenorientierter Fahrweise bessere Ergebnisse bringt.
  • Möglichst stillstehen und den Gummiring am Standrohr so weit wie möglich nach unten schieben.
  • Vorsichtig, ohne Wippen, vom Rad steigen und darauf achten, dass sich der Gummiring nicht mehr verschiebt. Tipp: Gabel und Dämpfer-Lockout vor dem Absteigen schließen.
  • Jetzt zeigt der Abstand zwischen Tauchrohrdichtung und Gummiring den Negativfederweg (Sag) an. 20 bis 30 Prozent des Gesamtfederweges werden als ideal betrachtet. Eine aufs Standrohr aufgedruckte Sag-Skala verrät die Prozentzahl; ist keine Skala vorhanden, einfach ein Lineal nehmen und nachrechnen. Liegt der Sag unter 20 Prozent, mit der Dämpferpumpe etwas Luft ablassen; werden 30 Prozent überschritten, Luft nachpumpen.

Steht der Gummiring der Federgabel bei 20 bis 30 Prozent des gesamten Federwegs, ist das ein guter Ausgangswert für das Grundsetup.

Checkpoints

  • Empfohlenen Luftdruck des Herstellers einstellen, Druckstufendämpfung oder Plattform öffnen
  • Aufsteigen in Grundposition, wippen, um Federelemente eintauchen zu lassen
  • Still stehen und Gummiring ganz nach unten schieben
  • Vorsichtig absteigen, Sag messen
  • Sag sollte zwischen 20 und 30 Prozent des Gesamtfederweges liegen, Luftdruck in der Gabel mit der Dämpferpumpe entsprechend anpassen

Step 2: Zugstufe (Rebound) und Druckstufe (Compression) einstellen

Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung. Der Rebound-Knopf an der Gabel ist meistens rot.

  • Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden.
  • Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen. Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren.
  • Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.
  • Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab
  • Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen.
  • Bei Gabeln mit nur drei Settings (zum Beispiel Open, Medium, Firm) empfehlen wir stets das offene oder mittlere Setting.
  • Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen. Hier empfiehlt FOX zum Start 18 Klicks (gegen den Uhrzeigersinn von der komplett geschlossenen Stellung aus gezählt). Je offener, (gegen UZS) desto leichter bewegt sich die Gabel durch den Federweg. Je geschlossener (Klicks im UZS), desto mehr Widerstand bietet sie beim Einfedern und hilft zusätzlich gegen Durchschläge.
  • Hier gibt es detaillierte Anleitungen zu den FOX 36er/38er Federgabeln und den DT SWISS Federgabeln

Der Rebound regelt die Ausfedergeschwindigkeit und kann Klick für Klick angepasst werden.

Checkpoints

  • Zugstufe ganz öffnen
  • Lenker dynamisch und kräftig nach unten drücken, Gabel eintauchen lassen
  • Hebt das Vorderrad vom Boden ab, Zugstufe reindrehen

So kontrolliert man die Ausfedergeschwindigkeit ganz einfach: Federgabel möglichst tief einfedern und beim Ausfedern Lenker loslassen. Das Vorderrad sollte beim Ausfedern am Boden bleiben.

Das Federbein

Step 3: Sag (Negativfederweg) einstellen

Auch beim Federbein ist die richtige Einstellung des Sag essentiell. Die Einstellung funktioniert fast so wie an der Gabel.

  • Zuerst den vom Hersteller angegebenen Luftdruck einstellen. Wer die Bedienungsanleitung verlegt hat, findet (auch ältere) Manuals leicht im Internet.
  • Auch beim Federbein gilt Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.
  • Aufs Rad steigen, Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, die Grundposition einnehmen, wippen, um den Dämpfer zu komprimieren. Auch hier unser Tipp: Wer überwiegend im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob er das Setup im Sitzen vornimmt und damit für seinen Einsatzbereich bessere Ergebnisse erzielt. Dann ist der Hinterbau gegebenenfalls nicht zu weich eingestellt für den Fall, dass das Körpergewicht überwiegend nach hinten verlagert ist.
  • Still stehen bleiben, Gummiring an den Dämpfer schieben, vorsichtig vom Rad steigen. Der Abstand zwischen Gummierung und Dämpferdichtung zeigt den Sag an.
  • Jetzt kann der Sag an den Einsatzbereich und den persönlichen Geschmack abgestimmt werden. Als Orientierungshilfe kann gelten: 20-30 Prozent.

Die SAG Einstellung am Dämpfer funktioniert genauso wie an der Gabel. Auch hier gilt: 20 bis 30 Prozent sind ein guter Ausgangswert.

Checkpoints

  • Empfohlenen Luftdruck des Herstellers einstellen, Druckstufendämpfung oder Plattform öffnen
  • Aufsteigen in Grundposition, wippen, um Federelemente eintauchen zu lassen
  • Still stehen und Gummiring ganz nach unten schieben
  • Vorsichtig absteigen, Sag messen
  • Sag sollte zwischen 20 und 30 Prozent des Gesamtfederweges liegen, Luftdruck in der Gabel mit der Dämpferpumpe entsprechend anpassen

Step 4: Zugstufe (Rebound) einstellen

Auch am Federbein ist der Rebound-Knopf meistens rot. Zum ersten Einstellen sucht man sich am einfachsten eine Bordsteinkante.

  • Die Bordsteinkante langsam herunterrollen, der Dämpfer sollte dabei ungefähr 1,5-mal wippen. Das bedeutet, er sollte einmal komplett einfedern, etwas nachwippen und sich dann stabilisieren.
  • Wippt der Hinterbau länger nach, ist die Ausfedergeschwindigkeit zu hoch, ein schwer zu kontrollierendes, hüpfendes Hinterrad wären die Folge. Also: die Zugstufe etwas reindrehen, damit sich der Rebound verlangsamt.
  • Auch einige Dämpfer besitzen umfangreiche Möglichkeiten an Feinjustierungen der Compression. Hier gilt: möglichst mit offener Einstellung beginnen und dann schrittweise die Anpassungen vornehmen. Genaue Anleitungen zum jeweiligen Dämpfer lassen sich auf den Internetseiten der Hersteller finden, z.B.: FOX X2 DämpferFOX DPS / DPX Dämpfer oder auch für die Suspension-Elemente von DT Swiss

Je nach Modell bieten die Dämpfer eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten. Wer unsicher ist: die detaillierten Informationen des Suspension-Herstellers können helfen, aber auch der ROTWILD Fachhändler kann bei der Einstellung behilflich sein.

Checkpoints

  • Bordsteinkante suchen, langsam herunterrollen
  • Dämpfer sollte ungefähr 1,5-mal nachwippen
  • Wippt er stärker, Zugstufe reindrehen, Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen

Fedor Shipulin arbeitet im Service- und Kundendienstteam bei ROTWILD. Ein gutes Grundsetup des Fahrwerk ist für ihn eine wichtige Voraussetzung für mehr Spaß auf den Trails.

Drei Tipps für die nächsten Schritte

Viele Suspension-Elemente bieten darüber hinaus noch eine Menge weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil einstellen zu können. Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann. ROTWILD Mitarbeiter Fedor Shipulin hat dafür noch wichtige Tipps:

  • Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
  • Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
  • Die Einstellungen – auch das Grundsetup – notieren. Zum Beispiel in einer Tabelle, die man immer wieder aktualisieren und vergleichen kann.
  • Die Hersteller der Suspension-Elemente bieten auf ihren Websiten oft Tabellen und weiterführende Hinweise für ein optimales Einstellen, so zum Beispiel FOX Racing Shox und DT SWISS.  

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